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KOLUMNE: Ins Gefängnis wegen einer Werbetafel?

Unser Geschäftsführer staunte nicht schlecht, als ein Zettel zum Abholen eines eingeschriebenen Briefs mit dem Vermerk „Strafbefehl“ im Briefkasten war. An was würden Sie spontan denken?

Eine Geschwindigkeitsbusse wird es wohl kaum sein. Er ging auf die Poststelle und öffnete den Strafbefehl mit der Botschaft: CHF 180 Busse oder 1 Tag Ersatzfreiheitsstrafe, da vor 11 (!) Monaten, vor unserem Restaurant im Kreis 1 unerlaubterweise eine Werbetafel neben der Eingangstüre stand. Wie die ausgesehen hat, habe ich dazumal auf Twitter festgehalten:

Dass tatsächlich noch eine Busse eintrifft, habe ich nicht für möglich gehalten.

„Schikane!“, habe ich in die Welt der sozialen Medien posaunt, woraufhin kommentiert wurde, dass wir uns halt an die Regeln halten müssen. Mein Vergleich, dass man in der Stadt Zürich als Hausbesetzer alles machen darf, ausser sich an die Regeln halten zu müssen, überzeugte nicht restlos. Sei’s drum.

Eines ist wohl unbestritten, Auflagen zur Führung eines Unternehmens nehmen stetig zu. Die Verwaltung setzt dabei (meistens) nur um, was von der Politik gefordert wird. Als Politiker muss ich zugeben, wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen. Nicht nur Bestimmungen rund um das Aufstellen einer Werbetafel sind schwer nachvollziehbar. Haben Sie bereits einmal versucht, eine Baubewilligung einzuholen? Für ein neues Lokal mussten wir eine umfassende Baubewilligung einreichen, obwohl wir nichts bauen wollen, sondern lediglich eine Nutzungsänderung anstreben.

Die grösste Herausforderung des gesamten Prozesses lautete vor allem Papier und Schnittstellenmanagement. So bedienten wir Schnittstellen der Stadt mit Dokumenten, die man bei anderen Stellen der Stadt einfordern musste. Auch wurden wir aufgefordert, alle Dokumente, die wir bereits elektronisch korrekt eingereicht hatten, in Papierform nachzureichen.

Man kann nun einwenden, dass es naiv ist, ohne professionelle Unterstützung eine Nutzungsänderung einzureichen. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass Regulierung nicht grundsätzlich dazu führen darf, dass man als „Otto-Normalbürger“ für jegliche Art von Bemühungen einen Experten engagieren muss. Nur schon aufgrund der Mehrausgaben würden so wohl viele Ideen im Keim erstickt.

Im Zürcher Stadtparlament haben wir zwei Vorstösse, die obenstehenden Probleme auf den Grund gehen, eingereicht. Einerseits fordern wir nur noch eine zentrale Ansprechperson in Baubewilligungsfragen und andererseits soll der gesamte Prozess auch digital möglich sein.

Als Leserin und Leser sind Ihnen bestimmt auch Beispiele von mühsamen Prozessen bekannt. Meistens ist der Leidensdruck jedoch nicht genug hoch, dass man sich lange darüber ärgert. Doch wenn wir überlegen, wie viel Zeit dabei verloren geht, würde eine Vereinfachung allen dienen. Deshalb meine Frage: Welche öffentlichen Prozesse stören Sie im Alltag, in der Firma oder in der Freizeit? Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören, wo der Schuh drückt und wo es dringend Änderungen braucht? Ich bin gespannt auf Ihre Nachricht (a.silberschmidt@gmail.com).

Über Andri Silberschmidt

Andri Silberschmidt ist 24 Jahre alt, Vermögensberater, Politiker und Gastro-Unternehmer. Mit 15 Jahren startete er die Banklehre und ist heute bei Swisscanto Invest für das Management von allen quantitativen Aktienfonds, die in Entwicklungsländer investieren, verantwortlich. Er hat berufsbegleitend den BSc in Business Administration abgeschlossen (Dean’s List) und schliesst im Jahr 2019 den MSc in Global Finance ab. Im letzten Jahr gründete er mit Freunden ein Poké Bowl & Sushi Burrito Restaurant, das im Moment zwei Filialen in Zürich betreibt. Andri Silberschmidt ist seit 2011 politisch aktiv und seit 2016 Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz. Vor Kurzem wurde er für die FDP ins Parlament der Stadt Zürich gewählt.
www.andrisilberschmidt.ch